Über die Herausforderungen des Dolmetschens

Herausforderungen des Synchrondolmetschens

Synchrondolmetschen erfolgt im Idealfall so, dass die Sprecher Mikrophone benutzen, der Dolmetscher hört in einer schalldichten Kabine über Kopfhörer zu, er spricht ins Mikrophon, und seine Rede wird über Kabel an Tischempfänger oder über Radio an Mikroports übertragen.

Dolmetscher fangen den Satz schon mal so an, dass sie nur ahnen, worum es am Ende wohl geht (selbst der Sprecher weiß es nicht immer so genau). Deswegen formulieren geübte Dolmetscher von vornherein so, dass der Satz korrigierbar bleibt und spricht am Anfang jeweils langsamer und am Ende jeweils schneller. Eine Erleichterung bringt der Umstand, dass in Gesprächen üblicherweise viel wiederholt wird.

Wer die Fähigkeit dazu mitbringt, dem bereitet die gleichzeitige Gesprächsrezeption und -produktion keine Schwierigkeiten. Natürlich hat auch Synchrondolmetschen seine zeitlichen Grenzen; dies hängt vom Gedächtnis des Dolmetschers aber auch vom Grad der Fachsprachlichkeit, bzw. davon ab, wie einfach oder kompliziert formuliert wird.

Dolmetscher werden vor allem von nicht durchdachten oder mangelhaften Sätzen ins Schwitzen gebracht – insbesondere dann, wenn sie mit dem Thema nicht vertraut sind und ohne Verständnis übersetzen müssen.

Eine weitere Schwierigkeit stellen mit Daten vollgepackte Sätze – und wieder: im Besonderen, wenn das Thema für den Dolmetscher neu ist.

Herausforderungen des Konsekutivdolmetschens

Je bewanderter der Dolmetscher im Thema ist, umso längere Textpassagen kann er sich merken. Nach gewisser Zeit lässt natürlich auch die Qualität von Gedächtnismeistern nach.

Wir sprechen von einem guten Ergebnis, wenn die Übersetzung alle wesentlichen Informationen enthält und die Absicht der Mitteilung vermittelt wird.

Schwierig wird das Konsekutivdolmetschen, wenn der Redner sich vergisst. In solchen Fällen ist es als professioneller Dolmetscher vollkommen legitim, ja sogar Teil der Aufgabe, darauf hinzuweisen, dass es fürs erste reichen wird, die Hälfte der Zuhörerschaft wartet ja auf die Übersetzung.

Telefon-Dolmetschen

Diese Form wird in der Regel nicht empfohlen, sie kann nur unter Parteien funktionieren, welche einander gegenseitig kennen (und respektieren), und wenn es keine großen Meinungsverschiedenheiten gibt. Telefon-Dolmetschen kann nur gelingen, wenn die Parteien ihre Rede möglichst bündig, in ganzen Sätzen, verständlich vortragen.

Besser als das telefonische ist das VoIP-Dolmetschen mit Videoverbindung (Skype, Jabber, Messenger) – vorausgesetzt, dass alle Teilnehmer schnelle Verbindungen haben.

Inhaltliche Herausforderungen

Der Dolmetscher muss alles treu übersetzen. Eine Ausnahme hiervon bilden bloße Beleidigungen (wozu es selten kommt).

Die Nachahmung des Tonfalls, der Gestik ist nicht nötig, die einer gereizten Tonart ist geradezu kontraproduktiv. Das heißt nicht, dass man fad klingen sollte. Die für Dringlichkeit, Beruhigung, Ironie, etc. typische Betonungen sind wichtig, ohne diese gäbe es keinen lebendige Sprache.

Als Dolmetscher sollte man bis zuletzt auf die Wahrung der Form bestehen, auch wenn z.B. vor oder nach Gerichtsverhandlungen, beim Anwalt / Notar, an internen Terminen von Organisationen Leidenschaften aufkommen. Fallen sich Streitparteien gegenseitig ins Wort, sollte man sie abbrechen und die Frage stellen, ob sie imstande sind, ihr Anliegen objektiv und bündig zu sagen, bzw. den anderen anzuhören.

Eine geistliche Tagung und die Sitzung einer Autofabrik sind ganz unterschiedliche Umfelder. Unter ganz langen Veranstaltungen braucht auch der Dolmetscher Zeit, bis die vielen Informationen sich in ihm zusammensetzen; zum Beispiel die Absichten oder Bedenken seines Auftraggebers oder die der anderen Teilnehmer. Deswegen ist es wichtig, dass der Auftraggeber seinem Dolmetscher möglichst früh möglichst viele Informationen mitteilt.

2/3 der Dolmetsch-Aufträge sind mit irgendeinem rechtlichen Akt verbunden: behördliche, amtliche, notarielle, anwaltliche Anhörungen, Verhandlungen, bzw. Beratungen. Die Anwesenheit des Dolmetschers wird teilweise vom Gesetz vorgeschrieben.

Tipps an Dolmetscher

  1. Der Dolmetscher muss sich zeit seines Einsatzes an zahlreiche Umstände anpassen; er sollte keine Umstände bereiten. Klären wir im Vorfeld die Umstände der Reise, des Unterkunfts und der Verpflegung.
  2. Der Schlüssel des guten Dolmetschens liegt in der Vorbereitung. Hier ist gerade von der deutschen Kultur was zu lernen. Zum Glück kann man sich heute mithilfe des weltweiten Netzes innerhalb kurzer Fristen neue Fachbereiche, ihre häufig benutzen Phrasen kennen lernen.
  3. An Gerchtsterminen wird üblicherweise auf einen bestellten (und beeideten) Dolmetscher zurückgegriffen. Dieser muss eine Dolmetscherausbildung absolviert haben und Kenntnisse des Rechts nachgewiesen haben. Aber auch persönlich bestellte Dolmetscher dürfen im Verhandlungsraum sein, etwa wenn Partei und Anwalt sich sonst nicht verständigen könnten. Die Kenntnis der juristischen Sprache, der häufig wiederholten Wendungen hilfreich.
  4. Wenn’s geht, sollte der Dolmetscher im Vorfeld erfahren, wer wo Platz nimmt.
  5. Der Dolmetscher sollte ein vertrauenerweckendes Auftreten haben. Vor allem an Veranstaltungen und bei Medienauftritten gewinnt das gute Aussehen an Bedeutung.
  6. Der Dolmetscher sollte grundsätzlich präsent sein, sich aber nicht allzu in den Vordergrund stellen.
  7. Der Dolmetscher sollte die Erklärungen der Sprecher nicht ergänzen. Er ist Sprachdienstleister, der Fragen nur übermittelt, auch wenn er die Antworten kennt, er übersetzt Witze auch, wenn er sie nicht mag, er übermittelt ggf. nur die Ironie der Redner, und er übersetzt auch wenn er eventuell weiß: es wird gelogen. Kurz und gut dürfen seine eigenen Überzeugungen, Einstellungen die Inhalte nicht beeinflussen.
    Ausnahme davon bilden nur begleitende Dolmetschungen, mit Stadtbesichtigungen verbundene Aufträge, in denen die Rolle des Dolmetschers mit der eines lokalen Beraters vermischt.
  8. Wenn Personen im Umfeld des Klienten ihn ausfragen wollen, erfahren wollen, was hinter geschlossenen Türen geschehen ist, sollte man sie zurückweisen. Der Dolmetscher schuldet nur seinem Auftraggeber Loyalität. Vor / nach Verhandlungen geschäftlicher oder juristischer Natur / in den Pausen tauscht der Dolmetscher mit Dritten keine Visitenkarten.
  9. Redner, die ausgesprochen schlechte Texte produzieren (Ratschen bzw. mit Daten vollgestopfte Sätze, starke Dialekte und Akzente) darf der Dolmetscher mahnen.
  10. Manchmal kommt dem Dolmetscher die Rolle des Moderators zu, er verleiht dem Gespräch Struktur und sorgt dafür, dass alle zu Wort kommen. Bei anderen Gelegenheiten bekommt er Organisationsaufgaben, wie das Auftreiben eines Experten, oder eine Terminvereinbarung.
  11. Bemühen wir uns dem von unseren Kunden geschenkten Vertrauen stets würdig zu bleiben.
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